Wie die Helsinki Deklaration, welche die ethische Landschaft der klinischen Humanforschung grundlegend verändert hat, hat sich die Basler Deklaration zum Ziel gesetzt, dass in der biomedizinischen Forschung ethische Prinzipien, wie das der 3R, überall umgesetzt werden, wo Tiere zu Forschungszwecken eingesetzt werden. Die Unterzeichner der Basler Deklaration verpflichten sich zudem, alles zu unternehmen, um das Vertrauen in die tierexperimentelle biomedizinische Forschung zu stärken sowie transparent und offen über das sensible Thema der Tierversuche zu informieren. Am 5. Oktober 2011 wurde die «Basel Declaration Society» gegründet. Ihre wichtigste Aufgabe ist es, die Akzeptanz der Basler Deklaration innerhalb und ausserhalb der Forschergemeinde zu fördern. Siehe Fotogalerie...

 

Die Bedeutung von gentechnisch veränderten Tiermodellen

Einleitung

Aufgrund der steigenden Lebenserwartung des Menschen nehmen nicht heilbare Erkrankungen wie Stoffwechselkrankheiten (z. B. Diabetes), neuronale Dysfunktionen (Alzheimer- und Parkinsonkrankheit) and andere degenerative Erkrankungen stark zu. Auch stellen Infektionskrankheiten, die entweder behandlungsresistent oder nicht behandelbar sind (HIV, Malaria, Hepatitis, Tuberkulose), wieder eine Bedrohung dar. Um diesen Herausforderungen angemessen begegnen zu können, sind ausgefeiltere Methoden in der angewandten Forschung und in der Grundlagenforschung ebenso erforderlich wie eine zielgerichtete medizinische Versorgung. Um die wichtigsten medizinischen Bedürfnisse unserer Gesellschaft heute bedienen zu können, sind bessere genetische Krankheitsmodelle unabdingbar. Die Erkrankungsanfälligkeit ist genetisch beeinflusst und die neu verfügbare Ressource des Wissens über humane und andere Genomsequenzen ermöglicht es uns, Erkrankungen beim Menschen und beim Tier besser zu verstehen und aussagekräftige genetische Tiermodelle zu entwickeln.

Was sind genetisch modifizierte (GM)-Tiere?

Genetisch modifizierte Tiere sind Organismen, bei denen spezielle Gene verändert (hinzugefügt oder entfernt) wurden und die als Modelle für Erkrankungen bei Mensch und Tier herangezogen werden können. Durch das Hinzufügen eines Gens können auch Medizinprodukte für therapeutische Zwecke gewonnen werden. Standardmäßig verwendete genetisch modifizierte Tiere sind im Labor gehaltene Fliegen, Fische, Würmer, Nagetiere und (für landwirtschaftliche und Ertragszwecke) Schweine, Schafe sowie Kühe. In keinem Fall ist damit eine genetische Modifikation beim Menschen impliziert.

Vorteile

  • Entwicklung und Testung von sicheren und wirksamen Produkten zur Anwendung beim Menschen (z. B. humane Antikörper)
  • Ermöglicht die Herstellung rekombinanter Produkte (Antikoagulanzien; therapeutische Antikörper)
  • Bietet die Möglichkeit zur Untersuchung eines Krankheitsmechanismus in einem komplexen Organismus (Diabetes)
  • Bietet ein besseres Verständnis der mechanistischen Grundlagen und Reaktionswege, die menschlichen Erkrankungen zugrunde liegen, so dass wirkungsvolle und zielgerichtete Behandlungen entwickelt werden können (Leukämie, Hypertonie, Fettleibigkeit)

Die wichtigsten Anwendungen für genetisch modifizierte Tiere in der Landwirtschaft sind:

  • Tiere mit gewünschten Zuchtmerkmalen zu züchten (z.B. mit einem niedrigeren Phosphatgehalt im Kot/Dung)
  • Resistenzen gegen Erkrankungen zu induzieren (z. B. in der Fischzucht)

3R und die Gewinnung von GM-Tieren

Die Verwendung von genetisch modifizierten Säugetieren (vorwiegend Mäusen und Ratten) stellt ein essentielles Hilfsmittel in der biomedizinischen Forschung dar. In vielen Fällen können jedoch einfachere Organismen wie Fruchtfliegen, Laborwürmer und Fische Säugetiermodelle ersetzen, um ein grundlegendes Verständnis der Reaktionswege auf Molekülebene zu gewinnen. Genetisch modifizierte niedere Organismen können in ihrer Gesamtheit Säugetiere ersetzen und spielen daher eine wichtige Rolle im Hinblick auf das 3R (Reduction (Reduktion), Refinement (Verfeinerung), Replacement (Ersatz))-Paradigma zur Reduktion des Einsatzes von Tieren in der Forschung. Die genetischen Modelle tragen in erheblichem Maße zur Verbesserung der Qualität und Effizienz der Erforschung menschlicher Erkrankungen bei. Der Einsatz niederer Organismen kann jedoch die menschliche Physiologie nicht adäquat nachahmen, so dass zunehmend notwendigerweise auch Nagetiere und größere Tiere als Modelle in der biomedizinischen Forschung herangezogen werden.


Basel, 30th November 2010

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