Wie die Helsinki Deklaration, welche die ethische Landschaft der klinischen Humanforschung grundlegend verändert hat, hat sich die Basler Deklaration zum Ziel gesetzt, dass in der biomedizinischen Forschung ethische Prinzipien, wie das der 3R, überall umgesetzt werden, wo Tiere zu Forschungszwecken eingesetzt werden. Die Unterzeichner der Basler Deklaration verpflichten sich zudem, alles zu unternehmen, um das Vertrauen in die tierexperimentelle biomedizinische Forschung zu stärken sowie transparent und offen über das sensible Thema der Tierversuche zu informieren. Am 5. Oktober 2011 wurde die «Basel Declaration Society» gegründet. Ihre wichtigste Aufgabe ist es, die Akzeptanz der Basler Deklaration innerhalb und ausserhalb der Forschergemeinde zu fördern. Siehe Fotogalerie...

 

Die Basler Deklaration

Ein Aufruf für mehr Vertrauen, Transparenz und Kommunikation in der Tierforschung angenommen am 29. November 2010 im Rahmen der ersten Basler Konferenz «Research at a crossroads»

Einleitung

In den letzten 100 Jahren hat die biomedizinische Forschung wesentlich zum Verständnis biologischer Prozesse beigetragen und so zu einer Zunahme der Lebenserwartung und Lebensqualität von Mensch und Tier geführt. Trotzdem ist die Liste der Herausforderungen und neuen Möglichkeiten noch lang:

  1. Viele physiologische Prozesse wie Lernen und Gedächtnis sind noch nicht vollständig verstanden.
  2. Bei den meisten der etwa 30.000 Krankheiten des Menschen führen die verfügbaren Behandlungen nur zu einer Linderung der Symptome und setzen nicht an den Ursachen an.
  3. Die langfristigen Auswirkungen veränderter Ernährungs- und Arbeitsgewohnheiten auf Wohlbefinden und Gesundheit sind unbekannt und bedürfen deshalb der biomedizinischen Erforschung.
  4. Neue biomedizinische Erkenntnisse ermöglichen, komplexe Erkrankungen wie Demenz und Krebs effektiver zu bekämpfen.
  5. Die Entschlüsselung des Genoms des Menschen und zahlreicher Tierarten schafft die Basis für ein besseres Verständnis der Ursachen von Krankheiten.
  6. «Klassische» Infektionskrankheiten wie Tuberkulose, die bislang als heilbar oder sogar als ausgerottet galten, sind zur erneuten Bedrohung geworden, da sie nun häufig behandlungsresistent sind. Impfstoffe gegen viele Infektionskrankheiten wie HIV/AIDS, Malaria und Hepatitis C müssen noch entwickelt werden.
  7. Heute sollen auch Haustiere Zugang zu hoch entwickelter medizinischer Versorgung erhalten. Das stellt die Veterinärmedizin vor neue Herausforderungen.
  8. Besonders die biomedizinische Forschung lässt sich nicht in Grundlagenforschung und angewandte Forschung trennen. Die Übergänge von der Erforschung grundlegender physiologischer Prozesse zum Verständnis von Krankheitsprinzipien bis hin zur Entwicklung von Therapien sind fließend.

Ohne Forschung mit Tieren wird es nicht möglich sein, die gesellschaftlichen und humanitären Herausforderungen, die diese Probleme hervorbringen, zu bewältigen. Trotz neuer und verfeinerter alternativer Methoden bleiben Tierversuche in der vorhersehbaren Zukunft für die biomedizinische Forschung unverzichtbar. Angesichts dessen haben sich die Teilnehmer dieser Konferenz auf die folgenden Punkte geeinigt.

Grundlegende Prinzipien

Wir, die Unterzeichnenden, verpflichten uns,

  1. die uns anvertrauten Tiere zu respektieren und zu schützen und diesen keine unnötigen Schmerzen, Leiden oder Schaden zuzufügen, indem wir die höchsten Standards beim Versuchsaufbau und in der Tierhaltung einhalten.
  2. sorgfältig zu prüfen, ob die Forschung mit Tieren der Klärung wichtiger Fragen dient, die nicht durch Einsatz alternativer Methoden beantwortet werden können.
  3. die Zahl der für Forschungszwecke benötigten Tiere möglichst gering zu halten und zum gewünschten Erkenntnisgewinn die am besten geeigneten Art zu wählen.
  4. Kollaborationen anzuregen, um Wiederholung von Tierversuchen zu vermeiden.
  5. die höchsten Standards für den Schutz der Umwelt und der öffentlichen Gesundheit anzuwenden.
  6. bei der Entwicklung genetisch veränderter Tiere die Interessen von Patienten und der Gesellschaft gegen unsere Verantwortung für die Tiere abzuwägen.
  7. die höchsten Standards bei Qualifikation und Schulung aller Personen anzuwenden, die mit Tieren arbeiten und die Einhaltung der Standards regelmäßig zu überprüfen.
  8. das wichtige Engagement von Forschern hinreichend zu würdigen, wenn diese sich um ein öffentliches Verständnis von Wissenschaft bemühen.
  9. den Dialog zum Tierschutz in der Forschung durch transparente und faktenbasierte Information der Öffentlichkeit zu befördern.
  10. politische Entscheidungsträger und Regierungsbehörden über Fragen zur Forschung mit Tieren und deren Wohlergehen auf der Grundlage von wissenschaftlichen Fakten und mit Fachwissen zu beraten.

Wir, die Unterzeichnenden,

  1. betonen, dass biomedizinische Forschung nicht in Grundlagenforschung und angewandte Forschung getrennt werden kann; vielmehr gehen die Erforschung grundlegender physiologischer Prozesse, das Verständnis von Krankheitsprinzipien und die Entwicklung von Therapien fließend ineinander über.
  2. regen einen freien und transparenten Austausch an, um unnötige doppelte Forschung zu vermeiden.
  3. bestehen darauf, dass notwendige Forschung mit Tieren, einschließlich nichthumaner Primaten, heute und in der Zukunft erlaubt sein soll.
  4. bitten darum, dass neue Gesetze und Bestimmungen nur dann eingeführt werden, wenn diese das Resultat eines sachlich geführten Fakten basierten, demokratischen Diskurses sind.
  5. fordern, dass die Gesellschaft und Gesetzgeber die Taten radikaler Gruppen verurteilen, die auf gesetzeswidrige Mittel oder Gewalt gegen die Forschenden unter dem Deckmantel des Tierschutzes zurückgreifen.
  6. laden Vertreter von Tierschutzorganisationen ein, um alle wichtigen Fragen offen mit den Forschenden zu besprechen.
  7. bestärken Bemühungen zur Stärkung der naturwissenschaftlichen Fächer an öffentlichen Schulen.
  8. bitten Meinungsbildner, Vertreter der Medien und Lehrer darum, heikle Fragen zur Forschung mit Tierversuchen unvoreingenommen zu diskutieren und einen ausgleichenden Dialog mit Forschern anzustreben.

Die Erstunterzeichner:

Prof. Dr. Stefan Treue Prof. Dr. Michael Hengartner Prof. Dr. Dieter Imboden
Dr. Stefan Treue Dr. Michael Hengartner Dr. Dieter Imboden